Wenn Wände fallen

Es ist höchst spannend, wie schnell große Veränderungen bewirkt werden können

60 Zimmer in 8 Tagen zu renovieren zählte zu einem der Projekte im Jahr 2018. „Im Wesentlichen ist es wieder eine Qualitätsinvestition und eine Optimierung unserer Kapazitäten. Das gehört zu unseren jährlichen Revisionsarbeiten, die Bestehendes optimieren, erneuern, verbessern oder auch Neues schaffen sollen“. Das Geheimnis ist, Dinge erst gar nicht in die Jahre kommen zu lassen. Sondern ständig dahinter zu sein, etwas zu verbessern. Die Detailplanung für die Projekte beginnt bereits rund ein Jahr davor. Das Besondere daran: Um so wenig Zeit wie möglich zu verlieren, arbeiten stets bis zu 80 Bauarbeiter. Und das rund um die Uhr, mit Sondergenehmigungen.
Die beauftragten Firmen kennen den Hotelbetrieb bereits und arbeiten immer nach demselben bewährten System. Wichtig ist, dass die Baustelle nie steht – denn das kostet. Und wie nehmen die Gäste das wahr? „Viele von ihnen bleiben noch am Anfang der Bauarbeiten, weil es für sie ein Erlebnis ist, das zu beobachten. Als wir den Naturpool gebaut haben, haben 4 Bagger den Garten mit 500 LKW-Fuhren Erde umgearbeitet. Das war ein Highlight, unsere Gäste waren fasziniert. Es ist einfach höchst spannend, wie schnell große Veränderungen bewirkt werden können.“ Der Naturpool ist übrigens der Erste in dieser Form landesweit. Ein Pilotprojekt, dessen Idee sieben Jahre lang gereift ist und penibel geplant wurde.

Zwischen neu und bewährt

Low Budget oder Luxus, Business oder Wellness – die Art des Hotels und die Bedürfnisse der Gäste bestimmen im Optimalfall auch die Gestaltung. In unserem Falle tastete man sich vorsichtig an das Projekt Zimmerrenovierung heran: Vorab wurde anhand von drei Muster-Zimmern die Resonanz der Gäste erhoben. Das Verbesserungspotenzial wurde daraufhin bei allen 60 Zimmern umgesetzt. Das Ergebnis: Statt des Heizkörpers unter dem Fenster schafft nun eine Wandheizung Raum für eine großzügige Glasschiebetüre, um damit noch mehr Natur ins Zimmer zu holen. Die Wirkung: mehr Licht, mehr Raum – und mehr Wohngefühl. Dazu kamen neue Böden, neue Möbel und eine neue Raumklimatisierung. „Alle 160 Zimmer sind schon immer mit einem Balkon von über 5m² ausgestattet gewesen, die eine Sicht auf den Garten freigeben. Dadurch kann man die Natur und das südliche Flair noch mehr in den Raum integrieren, der Balkon wird Teil des Zimmers. Wenn Gäste im Zimmer ankommen, gehen sie zuerst auf den Balkon. Dadurch ist uns bewusst geworden, wie wichtig der freie Blick ist“
In Österreich gibt es über 1000 sogenannte Wellnesshotels, die auch getestet werden, aber lediglich ca. 25% erhalten die begehrten Lilien, durch nach klaren Kriterien faire Bewertung anonymer Tester.

Mittendrin und voll dabei

Unserer Erfahrung nach funktionieren Baustellen von kurzer Dauer wesentlich effizienter und ökonomischer als jene von längerer. Der Grund: Es wird hochkonzentriert gearbeitet, aber in einer realistischen Zeitspanne. Vermittelt werden nur die besten Arbeiter, die in kurzer Zeit viel bewirken können und auch weniger Baumängel verursachen. „Besonders stolz sind wir darauf, dass wir 2003 den ersten dreigeschossigen Holzbau in der Steiermark errichtet haben – und zwar innerhalb von nur zehn Tagen, inklusive Heizung.“
„Die Veränderungen im Haus sind organische Prozesse, die über einen längeren Zeitraum entstehen. Zuerst kommt eine Idee auf, dann macht ein Gast einen vielleicht auch darauf aufmerksam, schließlich bespricht man sie intern, recherchiert und setzt das Ganze um. Wir leben ja auch im Haus und beschäftigen uns tagtäglich damit. Alles wird von langer Hand geplant, noch nicht zu hundert Prozent ausgereifte Ideen werden nochmals beiseite gelegt.

Alles für eines

Wir verlassen uns nicht auf gezeichnete Pläne. Entscheidungsfaktor sind die Gäste und ihre Bedürfnisse, die Architekten alleine oft nicht erfüllen können. Nicht alles, was gut aussieht, muss auch immer funktionieren. Ein Designer-Stuhl nützt nichts, wenn die Höhe zum Tisch nicht passt. Genauso kann das fehlende Sideboard im Restaurant das gesamte System des Servicepersonals umstürzen.
„Man muss sich eingehend mit allen Faktoren beschäftigen und alle Personen, die etwas davon verstehen, involvieren. Selbst wenn ein Architekt keine Rezeption in ihrer eigentlichen Form mehr planen würde, erfordert die Logistik im Hintergrund sehr wohl eine dementsprechend hohe Funktionalität. Ein Gast will schließlich möglichst schnell und unkompliziert am Zimmer sein. Das zählt“, spricht Werner Unterweger aus Erfahrung. Umso wichtiger ist es, selbst im Hotel zu leben: „Nur, wenn man dem Gast so nahe ist, lernt man auch, auf seine Bedürfnisse einzugehen“.

Gemeinsam entscheiden

Anregungen seitens der Gäste sind dem Steirerhof viel wert und immer willkommen, ob persönlich oder via Fragebogen. Ziel ist es, Stammgäste bis zu einem gewissen Grad auch einzubinden, wenn Veränderungen vorgenommen werden. „Sie haben ein Recht darauf, wahrgenommen zu werden. Selbst wenn mir persönlich einmal etwas nicht so zusagt, hat das keine Priorität, solange es die Bedürfnisse der Gäste erfüllt. Deshalb muss jede Renovierung aus dem Haus heraus entstehen: aus dem Dialog mit Mitarbeitern und Gästen. Es ist unsere Aufgabe, alle miteinzubinden und zufriedenzustellen.
Auf der anderen Seite sollte man seine eigene Vision und Authentizität nicht völlig aus den Augen verlieren.“ Seine Vision hat er erfüllt. Der Fokus lag von Anfang an auf Therme, Genuss und Wellness und damals waren 25 Mitarbeiter alleine im Wellnessbereich schon eine Sensation. Eine klare Vision war also immer schon da. Aber auch das notwendige Feingespür, auf Gäste einzugehen und sie miteinzubinden.

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