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09.08.2016

Gestern Snowboardprofi, heute Koch

Interview mit Peter König

„Ein ruhiger fast schon unterbewerteter Beruf, der ein perfektes Zusammenspiel einiger Fähigkeiten wie Organisation, Kreativität, Stressbeständigkeit und Teamfähigkeit benötigt.“

Peter König ist ein Mensch, der für seine Leidenschaften lebt und auch nicht davor zurückschreckt, dafür auch mal sein ganzes Leben umzukrempeln. Im Tiroler Zillertal aufgewachsen, erlebte Peter eine achtjährige Karriere als Profisnowboarder. Im Alter von 27 Jahren begann er anschließend seine Ausbildung zum Koch beim Steirerhof Bad Waltersdorf.

Peter König
Peter König
Vom Snowboardprofi zum Koch: Du lebst ein wirklich spannendes Leben. Erzähle uns doch bitte davon, wie es zu diesen Karrieren und deinem extremen Wandel gekommen ist.

Peter: Ich bin im Tiroler Zillertal aufgewachsen. Wie üblich für die Kids in Tirol, war ich schon früh mit Skiern unterwegs. In dieser Zeit lernte ich den Schnee, die verschneiten Hänge und die Freiheit in der Berglandschaft zu schätzen und zu lieben.
Irgendwann wechselte ich von zwei Brettern auf eines und verliebte mich vom ersten Tag an ins Snowboarden. Sofern es die Schule oder meine damalige Lehre als Maschinenbautechniker erlaubten, verbrachte ich jeden Tag mit Freunden auf dem Brett und träumte von einem Leben, wie jenes meiner Snowboarder-Idole. Irgendwann wurde aus dem Träumen Realität. Ich bekam meinen ersten Sponsorenvertrag und nach Abschluss meiner ersten Lehre entschied ich mich für den Schritt in die Selbständigkeit. Aus einem Sponsor wurden mehrere, aus einer Flugmeile wurde eine halbe Million und so durfte ich acht Jahre lang das Snowboarden in vollstem Maße erleben und genießen.

Alles Gute braucht auch mal ein Ende und so entschied ich mich, mich neu zu finden, mit meiner Karriere abzuschließen und mich auf den Weg zu machen, um den Anker neu anzulegen. Jetzt lebe ich seit gut drei Jahren in der Steiermark und habe die Chance, was Neues so lieben zu lernen wie das Snowboarden. Das Kochen.

Was hat dich dazu bewegt, ausgerechnet auf den Beruf des Koches umzusteigen?

Peter: Kochen verfolgt mich schon lange in meinem Leben. Ich bin früh auf eigenen Beinen gestanden und mir war es immer schon wichtig, etwas zu essen, das ich mit meinen eigenen Händen gemacht habe. Zudem genoss ich das Zusammensein mit Freunden in lauen Sommernächten und sie auf meiner Terrasse zu bewirten.
Dann kam mein Karriere-aus und plötzlich wusste ich nicht mehr, wohin mit meiner Zeit. Essen musste ich ja sowieso und irgendwann fing ich an, auf das Anrichten zu achten und lernte neue Geschmäcker und Gewürze kennen. Meine damalige Freundin hielt meine Kochzubereitungen mit ihrem Handy fest und im Laufe der Zeit gingen diese auf Instagram online und ich bekam gute Resonanz – das Kochen ließ mich ganz anders sehen. Auf einmal wollte ich alles wissen. Ich wollte wissen, wie ich eigentlich fachlich richtig eine Boullion mache, einen Biskuit …

Dies war der Auslöser, über die Qualifizierungsagentur Südoststeiermark eine verkürzte Lehre zum Koch zu machen. Vor wenigen Tagen habe ich nun meine Kochausbildung abgeschlossen.

Dein wirklich bewegendes Video erweckt den Eindruck, dass du deinen zweiten Traumjob gefunden hast. Hattest du zu Beginn Zweifel, ob dich das Kochen genauso erfüllen kann wie der Sport?

Peter: Darüber hatte ich eigentlich nie Zweifel, da ich nie so über das Kochen nachgedacht habe, wie über das Snowboarden. Snowboarden war für mich aus, das Kochen war neu. Ich wusste eigentlich nicht viel darüber. Somit schwamm ich im kalten Wasser – dies hielt mir den Kopf frei.

Was waren die Reaktionen deiner Snowboard-Kollegen und Freunde auf deinen Berufswechsel?

Peter: Anfangs mussten sie es mal sacken lassen, da sie nicht viel über meine Leidenschaft zum Kochen wussten bzw. es ja auch nur leise in mir schlummerte. Trotzdem sind alle Freunde sowie meine Familie stolz auf mich, dass ich den Wechsel geschafft habe und ich damit wohl am besten mit der Vergangenheit abschließen konnte.
Des Weiteren war dies auch ein Grund, warum ich dieses Video gemacht habe. Ich wollte diese leise in mir schlummernde Leidenschaft nach außen tragen und meinen Freunden sowie der ganzen Snowboardindustrie zeigen, was der König jetzt macht. Nach jahrelanger Kontakt-Abstinenz war das wohl ein Schlag ins Gesicht für viele – so könnte ich wohl so manche Reaktionen am besten beschreiben. Trotzdem waren alle sehr positiv gestimmt, erstaunt und haben sich für mich gefreut, was mich in meiner Rolle zum angehenden Koch sehr gestärkt hat.

Was macht den Beruf des Koches für dich besonders?

Peter: Ich persönlich finde den Beruf Koch deswegen so besonders, da er so facettenreich ist. Ein ruhiger fast schon unterbewerteter Beruf, der ein perfektes Zusammenspiel einiger Fähigkeiten wie Organisation, Kreativität, Stressbeständigkeit und Teamfähigkeit benötigt. Zudem ist es ein Beruf, der immer wieder neu erfunden wird – man lernt nie aus. Es kommen neue Kochtechniken, Anrichttechniken, Produkte sowie Blogs und Foren, wo man über Food Trends philosophiert und spricht.

"Orange Sau"
"Orange Sau"
Doch was diesen Beruf so besonders macht: Man kann ihn weltweit ausüben. Speziell mit einem Abschluss in der österreichischen Gastronomie ist man weltweit angesehen und wird respektiert.
Wenn man Lust drauf hat, kann man den Beruf auch im Rahmen einer Weltreise ausüben und damit seinen Horizont sowie auch Kochfertigkeiten immens erweitern. Wenn das mal kein Vorteil ist.

Welche Tipps hast du für Junge Leute, die gerne eine Karriere wie du hinlegen möchten?

Peter: Ich habe dafür nur einen Tipp. Und zwar ist es Interesse. Interesse zu haben und zu zeigen ist eines der wichtigsten Instrumente, um Spaß, Erfolg und Zufriedenheit im Job zu haben. Aus diesem Gefühl wähle ich auch meine Berufe aus. Verfolgt man seine Leidenschaft und lebt sie permanent weiter, ohne zu stark auf Geld, Arbeitszeit oder Ähnliches zu achten, ist man ein gemachter Mann im Business.

Was würdest du uns kochen, wenn wir morgen vor deiner Tür stehen würden?

Peter: Hmmmm, das ist immer die Preisfrage. Speziell für mich, da ich mir immer sehr viele Gedanken zu einem Menü mache. Ich gehe jetzt mal von den Waren aus, die ich zu Hause habe…

Als Vorspeise würde ich eine Variation aus eingelegtem Süß-Sauren zubereiten – Käferbohnen, Wurzelgemüse, Schalotten und Radieschen, dazu ein Dinkelbaguette und zum Dippen ein geräuchertes Tomatenöl.

Risotto habe ich auch immer Zuhause, somit würde mein nächster Gang ein feines, cremiges Risotto mit Tomaten vom Garten werden; dazu einen Fisch und zum Vollenden des Gerichts ein Kräuter Parmesan Schaum.

Zum Schluss würde ich meinen Maiwipfel-Sirup auspacken und ein luftig, leichtes Mai Wipfel Soufflé mit marinierten Walderdbeeren servieren.

Hmmm...